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THESE 1:
Der Lernaufwand für Esperanto beträgt nur einen Bruchteil des für Englisch benötigten


Viele Menschen gehen irrtümlich davon aus, dass man zum Erlernen einer Fremdsprache nur einen Satz grammatischer Grundregeln und dazu eine gewisse Menge Vokabeln lernen muss, und das war's dann. Tatsächlich ist aber bei allen wildgewachsenen Sprachen (wie Deutsch oder Englisch) das Erlernen der grammatischen Grundregeln und einiger Tausend Vokabeln nur ein winziger Teil des Gesamtaufwandes - der sehr viel größere Lernaufwand entsteht durch die unzähligen Sonderformen im Vokabular und Abweichungen von den Standard-Wortbildungsregeln in unüberschaubar vielen Fällen.

Ein paar Beispiele aus dem Wortfeld von "stark" und "gut":
Man beachte das Auftreten der roten Unregelmässigkeiten

deutschenglischesperantogrammatisch
starkgut strong good forta bona Adjektiv allein
starker ... guter ... strong ... good ... forta ... bona ... Adjektiv mit Substantiv
stärker besser stronger better pliforta plibonaAdjektiv: Komparativ
am stärksten am besten strongest best plej forta plej bonaAdjektiv: Superlativ allein
der stärkste ... der beste ... the strongest ... the best ... la plej forta ... la plej bona ...Adjektiv: Superlativ mit Substantiv
superstarkexzellent extremely strongexcellent fortega bonegaAdjektiv: verstärkt
ein wenig starkein wenig gut slightly strongslightly good forteta bonetaAdjektiv: abgeschwächt
nicht starknicht gut not strongnot good neforta nebonaAdjektiv: Negierung
schwachschlecht weakbad malforta malbonaAdjektiv: Gegenteil
starkgutstronglywell forte boneAdverb
die Stärke das Gute the strength the good la forto la bonoSubstantivierung
die Stärke die Güte the strength the goodness la forteco la bonecoQualitätssubstantiv
stärken gut machen to fortify to make good fortigi bonigiVerb: aktiv bewirken
erstarken gut werden to become strong to become good fortiĝi boniĝiVerb: passiv dazu werden
grün = reguläre Formenbildung, rot = uneinheitliche Sonderform, blau = vom Geschlecht des Substantivs abhängige Form
Die bei deutsch und englisch angegebenen "regulären Formenbildungen" verstehen sich nur als Standard-Formenbildung,
im Falle anderer Wortbeispiele können abweichende Formen vorkommen,
man denke nur z.B. an die Negierung
bei eben/uneben, konsistent/inkonsistent etc. - nur in Esperanto werden diese Formen immer regelmäßig gebildet (mit "ne-").
Aussprache von Esperanto: c = "ts", ĉ = "tsch", ĝ = "dsch", j = "deutsches j", ĵ = "stimmhaftes sch", ŝ = "sch"

Ein paar Beispiele aus dem Wortfeld von "Rind" und "Pferd":

deutschenglischesperantogrammatisch
das Rind das Pferd the cattle the horse la bovo la ĉevalo Substantiv: Einzahl
die Rinder die Pferde the cattle the horses la bovoj la ĉevaloj Substantiv: Mehrzahl
der Stier der Hengst the bull the stallion la virbovo la virĉevalo Substantiv: männliches Lebewesen
die Kuh die Stute the cow the mare la bovino la ĉevalino Substantiv: weibliches Lebewesen
das Kalb das Fohlen the calf the foal la bovido la ĉevalido Substantiv: Kind/Junges
die Riesenkuh das Riesenpferd the huge cattle the huge horse la bovego la ĉevalego Substantiv: ganz besonders groß
das Kühlein das Pferdchen the tiny cattle the tiny horse la boveto la ĉevaleto Substantiv: ganz besonders klein
das kränkliche Rind die Schindmähre the peaked cattle the nag la bovaĉo la ĉevalaĉo Substantiv: körperlich schlecht
die Rinderherde die Pferdeherde the cattle herd the horse herd la bovaro la ĉevalaro Substantiv: eine Schar davon
das Rindfleisch das Pferdefleisch the beef the horsemeat la bovaĵo la ĉevalaĵo Substantiv: das Fleisch davon
die Rindsroulade die Pferderoulade the rolled beef the rolled horse fillet la bova rulaĵo la ĉevala rulaĵo Substantiv: ein bestimmtes Gericht
(Rinder-) (Pferde-) bovine equine bova ĉevala das Adjektiv zum Substantiv
grün = reguläre Formenbildung, rot = uneinheitliche Sonderform, blau = vom Geschlecht des Substantivs abhängige Form
Im nicht-wissenschaftlichen Deutsch gibt es gar kein Adjektiv zu Pferd oder Rind, statt dessen werden Wortverbindungen gebraucht.
Bei Hunden gibt es wieder andere Besonderheiten: z.B. heisst es nicht Hundeherde, sondern Hundemeute, und man sagt nicht tiny dog, sondern doggy.
Aussprache von Esperanto: c = "ts", ĉ = "tsch", ĝ = "dsch", j = "deutsches j", ĵ = "stimmhaftes sch", ŝ = "sch"

Ein paar Beispiele für Formen und Ableitungen von Verben:

deutschenglischesperantogrammatisch
sehen haben to see to have vidi havi Verb: Grundform
ich sehe ich habe I see I have mi vidas mi havas Verb: Gegenwart 1. Person Einzahl
du siehst du hast you see you have vi vidas vi havas Verb: Gegenwart 2. Person Einzahl
er/sie/es sieht er/sie/es hat he/she/it sees he/she/it has li/ŝi/ĝi vidas li/ŝi/ĝi havas Verb: Gegenwart 3. Person Einzahl
wir sehen wir haben we see we have ni vidas ni havas Verb: Gegenwart 1. Person Mehrzahl
ihr seht ihr habt you see you have vi vidas vi havas Verb: Gegenwart 2. Person Mehrzahl
sie sehen sie haben they see they have ili vidas ili havas Verb: Gegenwart 3. Person Mehrzahl
ich sah ich hatte I saw I had mi vidis mi havis Verb: Vergangenheit
ich werde sehen ich werde haben I will see I will have mi vidos mi havos Verb: Zukunft
ich würde sehen ich würde haben I would see I would have mi vidus mi havus Verb: Bedingungsform
ich erblickte ich fing an zu haben I caught sight I started to have mi ekvidis mi ekhavis Verb: Vergangenheit, Beginn der Tätigkeit
sieh ! hab ! see ! have ! vidu ! havu ! Verb: Befehlsform
sehend habend seeing having vidanta havanta Partizip: Gegenwart Aktiv
gesehen gehabt seen had vidita havita Partizip: Vergangenheit Passiv
sehenswert habenswert worth seeing worth having vidinda havinda Adjektiv: Würdigkeit
muss gesehen werden muss gehabt werden must be seen must be had videnda havenda Adjektiv: Notwendigkeit
sichtbar verfügbar visible available videbla havebla Adjektiv: Möglichkeit
unsichtbar nicht erhältlich invisible non-available nevidebla nehavebla Adjektiv: Unmöglichkeit
sehen lassen beschaffen to let see to procure vidigi havigi Verb: bewirken
die Sicht das Haben the view the having vido havo Substantivierung
grün = reguläre Formenbildung, rot = uneinheitliche Sonderform, blau = vom Geschlecht des Substantivs abhängige Form
Aussprache von Esperanto: c = "ts", ĉ = "tsch", ĝ = "dsch", j = "deutsches j", ĵ = "stimmhaftes sch", ŝ = "sch"

Ergebnis zu THESE 1:
Wenn man in Esperanto die vollkommen regelmäßige und einheitliche Formenbildung (die fettgrün gezeigten Teile) erst einmal gelernt hat, muss man nur noch die benötigte Stamm-Vokabel kennen und "einsetzen" (in den obigen Beispielen: fort-, bon-, bov-, ĉeval-, vid-, hav-), um JEDE beliebige Form bilden zu können, und man kann sich der Richtigkeit des Ergebnisses dann auch immer sicher sein.

Und anders herum ist es auch so: wenn man in Esperanto auf eine bisher unbekannte Kombination aus einem bekannten Wortstamm und den in Esperanto wohldefinierten Vorsilben und Endungen trifft, kann man daraus mit Sicherheit auf die daraus logisch folgende Bedeutung des Ganzen schließen. Bei den sog. "natürlichen Sprachen" wie z.B. Englisch muß man dagegen die Bedeutung jeder einzelnen Ableitung und jeder einzelnen Kombination extra lernen - der Versuch, den Sinn einfach aus den Bestandteilen zu erraten, wird sehr oft daneben gehen.

Schon diese wenigen Beispiele zeigen deutlich, dass zur Abdeckung des Wortfeldes einer einzigen Stamm-Vokabel wie z.B. "sehen" im Englischen wie im Deutschen eben nicht nur diese eine Vokabel gelernt werden muss, sondern auch noch eine ganze Menge zusätzlicher Vokabeln, sowie das Wissen, welche Sonderform oder Spezialvokabel in diesem oder jenem Fall anstelle der "regulären" Form anzuwenden ist - und genau das, nicht die Stamm-Vokabel selbst, vervielfacht den gesamten Lernaufwand im Vergleich zu Esperanto.

Wer die oben beschriebene Formen- und Spezialvokabel-Vielfalt als "Reichtum" der sog. natürlichen Sprachen ansieht, der sollte sich nicht durch die Existenz von Esperanto davon abhalten lassen, viele Jahre seines Lebens damit zuzubringen, diesen "Reichtum" zu erlernen und sich daran zu ergötzen - aber für ein Medium der internationalen Verständigung sind sowohl die von Esperanto gebotene Komplexität und Präzision der ausdrückbaren Sachverhalte bis in die feinsten Nuancen hinein (dank der universell anwendbaren Bedeutungsmodifikatoren), als auch die leichte Erlernbarkeit von größerer, ja größter Bedeutung.

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