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Esperanto
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THESE 2:
Bei Esperanto kann man einen Teil der eigenen muttersprachlichen Denke beibehalten
Wenn man eine fremde Sprache lernt, muss man normalerweise viele der eigenen Sprachgewohnheiten aufgeben und sich
völlig den fremden unterordnen. Dazu zählen auch Dinge wie die Frage, wo man direkte und indirekte
Objekte im Satz unterbringt, an welcher Stelle sich das Verb befindet, ob die Adjektive vor oder hinter dem zugehörigen
Substantiv anzuordnen sind, und dergleichen. Die eindeutigen Endungen und Funktionskennzeichen wie z.B. der immer
zu erkennende Akkusativ erlauben Esperanto eine außergewöhnlich hohe Flexibilität in der Anordnung der
Satzelemente. Die weitgehende "Etikettierung" der Wörter durch die Endungen erlaubt einerseits den Lernenden, manche
ihrer sprachtypischen Anordnungsgewohnheiten beim Übersetzen ins Esperanto beizubehalten, und ermöglicht
gleichzeitig anderssprachigen Esperantisten, sie trotzdem mühelos zu verstehen.
Diese Eigenschaft möchte ich hier für Deutsch, Französisch und Japanisch an einem Beispielsatz illustrieren.
Übersetzung aus dem Deutschen ins Esperanto
| deutsch: | Zwei | weiße | Schwäne |
schwimmen | im | Teich. |
| Zerlegung: | zwei | weiß + -e | Schwan + "-e | schwimm- + -en |
in + dem | Teich |
| Analyse: | 2 | X(Adjektiv) + Plural | X(Nomen) + Plural | X(Verb) + Gegenwart/3.Person/Plural |
Präposition mit Dativ | Artikel | X(Nomen)/Singular |
| | ↓ | ↓ |
↓ |
↓ ↓ | ↓ |
↓ | |
| Konstruktion: | 2 | X + Adjektiv + Plural | X + Nomen + Plural | X + Gegenwart |
Präposition | Artikel | X + Nomen |
| Synthese: | du | blank - a - j | cign - o - j | naĝ - as |
en | la | laget - o |
| Esperanto: | Du | blankaj | cignoj | naĝas |
en | la | lageto. |
Aussprache von Esperanto: "aj" = deutsch "ai", "oj" = deutsch "oi", "c" = deutsch "ts", "ĝ" = deutsch "dsch".
Die Betonung liegt auf der vorletzten Silbe.
Während im Deutschen das Adjektiv "weiß" sowohl die Wortwurzel darstellt als auch bekannt ist, daß es
sich um ein Adjektiv handelt, wird in Esperanto der Wortwurzel "blank-" die Adjektivkennzeichnung "-a" angehängt und erst
dadurch wird die Wurzel zu einem richtigen Adjektiv. Danach folgt im vorliegenden Fall noch die Mehrzahlendung "-j".
Beim Substantiv ist es genauso, wobei die Substantivkennung "-o" ist.
In Esperanto haben Substantive kein grammatisches Geschlecht und die Verben keine Personalendungen.
Übrigens ist das Wort "laget-o" (Teich) aus "lag-o" (See) und der Verkleinerungspartikel "-et-"
zusammengesetzt, also genaugenommen "lag-et-o".
Übersetzung aus dem Französischen ins Esperanto
| französisch: | Deux | cygnes | blancs | nagent |
dans | la | mare. |
| Zerlegung: | deux | cygne + -s | blanc + -s | nag- + -ent |
dans | la | mare |
| Analyse: | 2 | X(Nomen) + Plural | X(Adjektiv) + Plural | X(Verb) + Gegenwart/3.Person/Plural |
Präposition | Artikel | X(Nomen)/Singular |
| | ↓ | ↓ |
↓ |
↓ ↓ | ↓ | ↓ |
|
| Konstruktion: | 2 | X + Nomen + Plural | X + Adjektiv + Plural | X + Gegenwart |
Präposition | Artikel | X + Nomen |
| Synthese: | du | cign - o - j | blank - a - j | naĝ - as |
en | la | laget - o |
| Esperanto: | Du | cignoj | blankaj | naĝas |
en | la | lageto. |
Wie man sieht, ist das Ergebnis fast identisch zum "deutschen" Beispiel. Nur "blankaj cignoj" erscheint hier verdreht,
aber das ist egal, weil es in Esperanto freigestellt ist, ob man ein Adjektiv vor oder hinter dem zugehörigen Substantiv nennt.
Die relative Position des Adjektivs beeinflusst nicht seine Bedeutung.
Übersetzung aus dem Japanischen ins Esperanto
| japanisch: |
二羽の | 白い | 白鳥が |
池に | 泳いでいる。 |
| Niwa no | shiroi | hakuchô ga |
ike ni | oyoide iru. |
| Zerlegung: | ni + -wa + no | shiro + -i | hakuchô + ga |
ike + ni | oyogi- + -te + iru |
| Analyse: | 2 + Stck. + von | X + Adjektiv | X(Nomen) + Nominativ |
X(Nomen) + Postposition | X(Verb) + Dauer + Gegenwart |
| | ↓ | ↓ ↓ |
| |
↓ ↓ ↓ |
| Konstruktion: | 2 | X + Adjektiv + Plural | X + Nomen + Plural |
Präposition | Artikel | X + Nomen | X + Dauer + Gegenwart |
| Synthese: | du | blank - a - j | cign - o - j |
en | la | laget - o | naĝ - ad - as |
| Esperanto: | Du | blankaj | cignoj |
en | la | lageto | naĝadas. |
- Im Japanischen kommt nach dem Zahlwort ein Zählklassenwort (vergleichbar unserem "Stck.") und dann die
Verbindungspartikel "no", um den Zusammenhang zur folgenden gezählten Sache herzustellen. In Esperanto entfallen
diese Teile ersatzlos.
- Das japanische Adjektiv - genauso wie in Esperanto - wird erst durch eine bestimmte Endung zum Adjektiv:
im Japanischen ist es "-i", in Esperanto "-a" !
- Die im Japanischen bei Adjektiven und Substantiven nicht explizit ausgedrückte Mehrzahl muss für
Esperanto aus dem Kontext, im vorliegenden Fall aus der Zahlangabe "2", hergeleitet und als Plural-Endung
auf das Adjektiv und Substantiv übertragen werden.
- Der im Japanischen nicht vorhandene Artikel muss nach Beurteilung der "Bestimmtheit" für Esperanto ergänzt werden.
- Statt der bei uns üblichen "Präpositionen" verwendet das Japanische nachgestellte "Postpositionen", die für Esperanto
nach vorne gestellt werden müssen.
- Die im Japanischen hier gewählte zusammengesetzte Verbform "oyoide iru", aufgebaut aus "oyogi-" schwimmen + Partikel
"-te" plus der Gegenwartsform des Hilfsverbs "iru", drückt eine gewisse Dauer des Vorgangs aus und kann in Esperanto
optional durch die Wortbildungssilbe "-ad-" nachgeahmt werden.
Die dem Esperanto wie dem Japanischen gemeinsame Abwesenheit des grammatischen Geschlechts und der Personalendungen
an den Verben wird ein Japaner wohl freudig begrüssen, er wird aber das Voransetzen der "Präpositionen" und
die Verwendung des ihm nicht gewohnten bestimmten Artikels üben müssen - was aber eine relativ einfache und äußerst
sinnvolle grammatische Übung für Japaner ist, da ihnen dies unmittelbar hilft, wenn sie sich daranmachen,
auch andere Fremdsprachen wie z.B. Englisch zu erlernen !
Von diesen kleinen Umstellungseffekten abgesehen
kann also AUCH EIN JAPANER weitgehend so daherreden "wie ihm der Schnabel gewachsen ist" ! Und Esperanto ist auch so mächtig,
dass ein Japaner eine in seiner Sprache gern ausgedrückte Nuance,
hier die "Dauerhaftigkeits-Nuance" des Vorgangs (es findet nicht bloß einen Moment lang, sondern eher länger statt)
ohne weiteres ausdrücken kann, wenn er es will (naĝadas anstelle von naĝas).
| Ergebnis zu THESE 2: |
Angehörige verschiedener Muttersprachen können die Flexibilität der Esperanto-Struktur dazu nutzen,
typische Wortanordnungen ihrer eigenen Sprachen im Esperanto nachzuahmen, was Lernenden sicherlich den Einstieg erleichtert.
Das Entscheidende ist, dass jede der obigen Esperanto-Satzvarianten dennoch grammatisch korrekt ist und von ALLEN Esperantisten -
gleich welcher Muttersprache - problemlos und richtig verstanden wird ! Die Besonderheiten der verschiedenen Sprachen
äußern sich in Esperanto nur als die Kommunikation nicht behindernder Lokalkolorit.
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Der wohl berühmteste aller Beispielsätze in Esperanto
| deutsch: | ich | liebe | dich |
| Zerlegung: | ich | lieb- + -e | du (Akkusativform) |
| Analyse: | Pronomen | X(Verb) + Gegenwart/1.Person/Singular | Pronomen/Akkusativ |
| | ↓ | ↓ ↓ |
↓ ↓ |
| Konstruktion: | Pronomen | X + Gegenwart | Pronomen + Akkusativ |
| Synthese: | mi | am - as | vi - n |
| Esperanto: | mi | amas | vin |
Die in Esperanto wie auch z.B. im Japanischen stets klare Kennzeichnung des Akkusativs (in Esperanto immer durch "-n")
ist eine gute grammatische Übung für Deutsche, die sich dieses Falles oft nur undeutlich bewußt sind, da er im
Deutschen nur bei einigen Personalpronomen (ich/mich, du/dich, er/ihn, wir/uns, ihr/euch) und bei männlichen
Wörtern in der Einzahl (der Hund/den Hund, ein Hund/einen Hund) angezeigt wird.
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