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Das deutsche Pfennigzeichen im Unicode
Im Jahre 1998 fiel mir auf, dass in dem "für alle Sprachen und Schriften" verwendbaren Computercode UNICODE zwar allerhand historische Zeichen definiert waren, jedoch nicht das deutsche Pfennigzeichen (), das immerhin seit dem 15. Jahrhundert bis mindestens 1975 bei uns in Gebrauch war !
Obwohl ich erst in der Nachkriegszeit geboren bin, habe ich dieses Zeichen noch in der Schule lernen müssen - das deutsche Pfennigzeichen verschwand in München erst Ende der Siebziger Jahre von den Preistafeln auf dem Viktualienmarkt:
= 5 Stück für 20 Pfennig

Ich habe deshalb 1998 einen Antrag zur Einbringung dieses Zeichens an das UNICODE-Konsortium verfasst, der auch angenommen wurde. Dem deutschen Pfennigzeichen ("German Penny Symbol") wurde der Code U+20B0 zugewiesen - das Zeichen wird sich wohl irgendwann in den Fonts zukünftiger Computergenerationen wiederfinden.

Das deutsche Pfennigzeichen leitet sich von einem "d" mit angehängtem Schwänzchen ab
(eine Abkürzung von lateinisch "denarius") und erscheint im wesentlichen in zwei verschiedenen Formen:

alte Form: zusammen mit gedruckter Frakturschrift und Sütterlin-Handschrift:
(die Grundlinie habe ich durch einen grünen Strich angedeutet)
das Zeichen wurde oft - aber nicht immer - mit einem folgenden Punkt geschrieben  
 
moderne Form:   zusammen mit gedruckter und handgeschriebener lateinischer Schrift:
(die Grundlinie habe ich durch einen grünen Strich angedeutet)
diese Form des Zeichens wurde immer ohne folgenden Punkt geschrieben
 

Das deutsche Pfennigzeichen steht mit seinem linken Teil (dem im Zeichen enthaltenen "d") immer auf der Grundlinie, das Schwänzchen rechts bildet
normalerweise eine Unterlänge. Der obere Teil des deutschen Pfennigzeichens ist genauso hoch wie ein Großbuchstabe oder ein wenig kleiner.
Siehe auch die Ausnahme, auf die in der Erklärung zum Nachweis [21] hingewiesen wird (unten).
Ich empfehle, die moderne Form des deutschen Pfennigzeichens (U+20B0) in modernen lateinischen Fonts zu verwenden.

Ausschnittvergrößerungen zu den gesammelten Nachweisen:
Details und komplette Nachweise siehe im Originalantrag (Verweise ganz unten)


Im 15. Jahrhundert:
[01]:     in Holz geschnitzt (unteres Zeichen)
(hölzernes Rechenbrett, Basel/Schweiz)
schon diese archaische Form ist ein "d" + "Schwänzchen"
aus Band II "Zahlschrift und Rechnen", Seite 154, im Buch
"Zahlwort und Ziffer", K. Menninger, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht,
Göttingen 1958, 1979 (3. Auflage)

das obere Zeichen stellt ein deutsches scharfes "ß" dar,
das damals als Zeichen für "Schilling" diente
[02]:     Handschrift
(Handschrift von 1426, Straubing/Bayern)
= "xviiij " = 19 Pfennig
zum Vergleich ein normales "d" in "lannd":
auf Seite 51 im Büchlein
"Unsere Schrift", Verlag Degener & Co., Neustadt/Aisch 1961

Im 16. Jahrhundert:
[03]:     Handschrift
(Handschrift von 1572, Reichenbach/Bayern)
= "25 ½ " = 25,5 Pfennig

auch hier unterscheidet sich das deutsche Pfennigzeichen
vom normalen "d" durch das angehängte Schwänzchen

auf Seite 95 im Büchlein
"Unsere Schrift", Verlag Degener & Co., Neustadt/Aisch 1961

Im 19. Jahrhundert:
[04]: das deutsche Pfennigzeichen in der Beschreibung der 1880
in New York für Deutschland hergestellten
Zeiger-Schreibmaschine "Hall" (für lateinische Schrift)
zum Vergleich das normale "d" auf derselben Maschine:
[08]:   ! das deutsche Pfennigzeichen in einer
Zeitungsanzeige in Frakturschrift

aus einer Ausgabe der "Mindelheimer Zeitung" von 1896
[10]: das deutsche Pfennigzeichen auf der Tastatur der
Schreibmaschine "The Chicago" 1898, U.S.A.
(für lateinische Schrift)

(hergestellt für den Export nach Deutschland)

Im 20. Jahrhundert:
[11]:
    Originalphoto                             kontrastverstärkt
das deutsche Pfennigzeichen auf der Tastatur der
Schreibmaschine "Perko" 1912, Dresden
(für lateinische Schrift)
[12]:
    Originalphoto                             kontrastverstärkt
das deutsche Pfennigzeichen auf der Tastatur der
Schreibmaschine "Triumph" 1918, Nürnberg
(für lateinische Schrift)
[13]:
    Originalphoto                             kontrastverstärkt
das deutsche Pfennigzeichen auf der Tastatur der
Schreibmaschine "Adler" 1922, Frankfurt
(für lateinische Schrift)
[15]:
    Originalphoto                             kontrastverstärkt
das deutsche Pfennigzeichen auf der Tastatur der
Schreibmaschine "Underwood" 1926, U.S.A.
(für lateinische Schrift)

(hergestellt für den Export nach Deutschland)
[16]:           zurechtgebogen
auf dem Bedienfeld         auf der Typenspindel (2. Reihe von oben)
das deutsche Pfennigzeichen auf der
Schreibmaschine "Mignon" 1930, Berlin
(für lateinische Schrift, nur Großbuchstaben)

auf dem Bedienfeld erscheint das normale Pfennigzeichen,
auf der Typenspindel kann man - seitenverkehrt - eine Variante
des Pfennigzeichens mit verkürzter Unterlänge erkennen:
dem gedruckten Zeichen fehlte die Unterlänge, da die Maschine
nur für den Anschlag von Großbuchstaben ausgelegt war !

Auf der Typenspindel befindet sich über dem Pfennigzeichen
das deutsche Pfund-Zeichen, und darunter das
"geschweifte M", das damalige deutsche Mark-Zeichen.
[19]: typisches Beispiel
"10 Stck. 75" = 10 Stück für 75 Pfennig

das deutsche Pfennigzeichen in einer Zeitschriftenannonce
für Spalt-Tabletten, in lateinischer Schrift

in einer Ausgabe der Zeitschrift "Ratgeber" von 1954

(diese Zeitschrift habe ich damals zum Lesen-Lernen benutzt)

späte Referenzen:
[20]:     alte Variante das deutsche Pfennigzeichen in einem Buch über Zahlzeichen, 1958

das Pfennigzeichen ist den Schriftsetzern hier etwas nach oben verrutscht,
offensichtlich haben sie eine nicht genau passende Type aus einem
alten Fraktur-Font dafür verwendet
(die linke Hälfte stellt ein "d" dar und sollte auf der Grundlinie stehen)

aus Band II "Zahlschrift und Rechnen", Seite 168, aus dem Buch
"Zahlwort und Ziffer", K. Menninger, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht,
Göttingen 1958, 1979 (3. Auflage)
[21]:
  handschriftliche Version
das deutsche Pfennigzeichen im Brockhaus von 1972

das Pfennigzeichen ist hier offenbar photomechanisch eingesetzt
worden, es handelt sich dabei um eine handschriftliche Version.
Die Druckerei hatte 1972 wohl keine passende Originaltype mehr ...
- - - - - - -  

Zum Vergleich: im Brockhaus von 1992 (19. Aufl.) wird das
Pfennigzeichen irreführend beschrieben:
dort ist das Pfennigzeichen "" unpassend positioniert!
Das Pfennigzeichen stand in laufendem Text, wie er hier vorliegt,
immer mit seinem linken Teil (dem ehemaligen "d") auf der Grundlinie,
und das Schwänzchen rechts bildete eine Unterlänge. Nur direkt
hinter alleinstehenden Ziffern bzw. Pfennigbeträgen konnte man es
manchmal auch verkleinert und in hochgestellter Position beobachten,
um die Aufschrift ausgewogener erscheinen zu lassen, z.B. 10.
Dieser Gebrauch ist vergleichbar mit der Sitte, 10kg zu schreiben.
Die Darstellung im Brockhaus von 1992 zeigt nicht das normale
Pfennigzeichen, sondern ein verkleinertes und hochgestelltes Exemplar!

Die Fotos der Schreibmaschinentastaturen habe ich im Deutschen Schreibmaschinenmuseum in Bayreuth/Bayern
mit der freundlichen Genehmigung des Museums aufgenommen.

Da ich 1998 nicht viel Zeit zum Suchen hatte, ist die Zahl der vorgestellten Nachweise gering. Dass keine Beispiele aus dem 17. und 18. Jahrhundert darunter sind, ist ein Zufall, und deswegen, weil ich damals nur in meinen eigenen Büchern gesucht hatte! Sicher warten in Bibliotheken noch viele Beispiele auf ihre Entdeckung.

Da ich gemerkt habe, dass mein Originalantrag (englisch) auf Einbringung des deutschen Pfennigzeichens in den Unicode-Standard im Jahre 1998 nur mit niedriger Qualität eingescannt worden ist, habe ich ihn mitsamt den beigefügten Fotos für die an besseren Abbildungen interessierten Parteien noch einmal neu eingescannt und stelle ihn hier ins Internet:

Originalantrag (in 75 dpi Qualität, um Platz zu sparen):
Wer diese Seiten in 300 dpi benötigt, bitte mir eine Email schreiben, ich sende sie dann zu.
Seite 1
Seite 2
Seite 3
Gesammelte Belege (in 75 dpi Qualität, um Platz zu sparen):
Wer bestimmte Belege in 300 dpi benötigt, bitte mir eine Email schreiben, ich sende sie dann zu.
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