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QLAN - das fertig eingebaute Netzwerk im Sinclair QL:

In bester Erinnerung habe ich die zwei kleinen 3.5mm-Klinkensteckerbuchsen auf der Rückseite des QL. Für diese war in der QL-Originalpackung auch gleich ein passendes Kabel (auch als "Phono-Überspielkabel/Mono" bekannt) beigelegt gewesen. Waren zwei oder mehr QLs an einem Ort versammelt, konnte man jeweils zwei QL mit einem solchen Kabel miteinander verbinden - in welches der beiden Löcher man das Kabel steckte, war egal, und an eine "Terminierung" brauchte man auch nicht zu denken, das besorgten die Schaltbuchsen von selbst. Auf diese Weise konnte man eine Kette von maximal 63 QL hintereinander bilden ! Da sich aber jeder QL nach dem Einschalten zunächst für die Station Nummer 1 hält, muss man - ab drei QL - jedem QL noch eine eindeutige Nummer zuordnen, was durch das einfache Kommando

NET x (mit einer Zahl zwischen 1 und 127 für x)
bewerkstelligt werden kann. In diesem Netzwerk kann dann jeder QL jeden anderen gezielt adressieren, und Rundsendungen (Broadcasts) sind ebenfalls möglich, via Nummer 0. Dass man bei nur zwei QL noch keine verschiedenen Nummern braucht, liegt daran, dass ein QL sich selbst im Netzwerk nicht hört, während er sendet. Daher besteht auch keine Verwechslungsgefahr, wenn "QL Nr. 1" zu "QL Nr. 1" sendet - es kommt immer beim jeweils anderen an.

D.h. um nur zwei QL miteinander zu verbinden, genügt es bereits, ein Kabel in beide stecken - man vergleiche das mal mit einem "modernen" PC ...

Bereits nach dieser kurzen "Vorbereitung" kann man - auch ohne ein besonderes Programm - beispielsweise vom Floppylaufwerk Nr. 2 eines QL eine Datei zum anderen QL senden und in die dortige Ramdisk speichern ! Und zwar mit folgenden SuperBASIC-Kommandos:

Kommando auf dem sendenden QL:     COPY flp2_datei TO neto_1
Kommando auf dem empfangenden QL:     COPY neti_1 TO ram_datei

Bei QL-Clubtreffen brachten oft mehrere Mitglieder ihre QLs mit, diese wurden dann bei Bedarf mit den Kabeln verbunden und per NET-Befehl mit eindeutigen Nummern versehen. Wenn jemand seine neuesten Werke den Anderen zur Verfügung stellen wollte, konnte er seinen QL auch als "Fileserver" einrichten.

Die einfachste Variante eines solchen "Fileserver-Programms" funktionierte so, dass man durch das Senden des Namens einer gewünschten Datei zum "Fileserver-QL" diese dann postwendend und automatisch von dort zugeschickt bekam. Ein solches Programm ist in SuperBASIC eine kurze Dauerschleife: Warten auf eine Anforderung, dann Kopieren der entsprechenden Datei ins Netzwerk zu dem anfordernden Computer, dann wieder warten ...

Wenn man diese Schleife auf dem eingebauten Interpreter dauerlaufen ließ, blockierte das diesen QL für alles Andere, aber wenn man die Schleife kompilierte, konnte man das ausführbare Programm per EXEC-Befehl auch als eigenen (Hintergrund-) Prozess starten, so dass der betroffene QL gleichzeitig als Fileserver arbeiten und trotzdem ganz normal weiterbenutzt werden konnte.

Das QL-Netzwerk lief mit nur 100 Kilobit pro Sekunde, und zwar - gute Kabel vorausgesetzt - bis zu einer Distanz von maximal 100 Metern zwischen den beiden Ende der "QL-Kette". QLAN kümmerte sich selbsttätig um fehlerhaft übertragene Datenblöcke und forderte automatisch ihre erneute Zusendung an.

Die Leistung von QLAN wird sicherlich von jedem Ethernet-Netzwerk locker überboten, aber ich habe seit dem QLAN von Sinclair keines mehr mit einer solch simplen Handhabung gesehen - mit dem auch jeder auf Anhieb zurechtkam.


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© 2005 by Elmar Duensser